Bötschenberg-News 2010

Rolf Beab: Vom Spitzensportler zum IT-Unternehmer

 Was lange währt, wird endlich gut! Seit geraumer Zeit haben wir uns um ein Gespräch mit Rolf Beab (46), der zu den erfolgreichsten Sportlern des Helmstedter SV zählt und heute in Dormagen bei Köln lebt, bemüht. Als erfolgreicher Unternehmer hat man in der boomenden IT-Branche kaum Zeit für einen sportlichen Rückblick. Jetzt hat er sich aber die notwendige Zeit genommen und seinen sportlichen Weg nachgezeichnet. Dabei deutet er aber nur an, bescheiden wie er nun einmal ist, dass er zu den Superstars des europäischen und deutschen Schwimmsports zählte und in seinen Spezialdisziplinen über 50 m und 100 m Brust drei Weltrekorde und mehrere Europarekorde aufgestellt, fünfmal den Europacup gewonnen und mehrfache deutsche Meistertitel errungen hat. Wir sagen Rolf Beab für seine nachfolgenden beispielgebenden Ausführungen besten Dank und wünschen ihm und seiner Familie weiterhin alles Gute.

„Schwimmen war ein äußerst positiver und prägender Teil meines gesamten Lebens, denn ich traf viele Menschen, denen ich noch heute sehr dankbar bin. Angefangen hat alles in Neu Büddenstedt., einem kleinen Ort in der Nähe Helmstedts. Sportbegeistert war ich schon immer und somit folgte ich meinen Freunden zum Fußball beim SV Glückauf Neu Büddenstedt. Tja, was soll ich sagen? Ich hatte meinen ersten Einsatz in einem Spiel gegen den TSV Jerxheim und schoss schon nach etwa fünf Minuten ein Eigentor. Das war es dann wohl mit dem Fußball. Nun, viele Alternativen gab es in Neu Büddenstedt ja nicht, so habe ich es auf Anraten meiner Mutter mal mit dem Schwimmen probiert. Mein erster Trainer Joachim Kroll nahm mich unter seine Fittiche und es stellten sich recht schnell Erfolge ein. Ich verstand gar nicht so richtig, warum das so gut lief, aber es war ein cooles Gefühl. So konnte ich verschiedene Titel bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften gewinnen. Bei den Landesmeisterschaften und Deutschen Jahrgangsmeisterschaften wurde die Sache mit dem Gewinnen schon erheblich schwieriger. So tauchte für mich im Laufe der ersten Jahre die Frage auf, wie es weitergehen soll, wenn man auch auf höherer Ebene erfolgreich sein möchte. Nach einer Zwischenstation beim SV Treue in Schöningen kam ich dann mit vierzehn Jahren zum Helmstedter SV. Dort traf ich Sigrid Koch, die meine Schwimmkarriere den entscheidenden Schritt nach vorn gebracht hat. Ich trainierte gerade mal ein paar Monate bei ihr und schon hatte ich tolle Erfolge bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften und bekam erste Einladungen zur Jugend-Nationalmannschaft. Der Erfolg war sogar so groß, dass ich mich durch das Training von Sigrid Koch für die Jugend-Europameisterschaften qualifizieren konnte. Ich wohnte sogar für mehrere Wochen in ihrer Familie, um regelmäßig im Helmstedter Freibad Birkerteich trainieren zu können. Das war für mich nicht einfach, aber sie hatte das notwendige Gespür und konnte mich immer wieder motivieren, vor allem weil Sommerferien waren. Doch es hat sich gelohnt, dass sie soviel Zeit im mich investiert hatte. Ich wurde völlig überraschend Jugend-Europameister über 100 m Brust. Das war für mein ganzes Leben wirklich prägend, denn Fleiß und Disziplin haben den Erfolg möglich gemacht. Talent allein reichte dafür nicht aus. Allein hätte ich das nie geschafft, von daher ist dieser Erfolg mindestens genauso ihr Erfolg. Neben diesen sportlichen Erfolgen erlebte ich beim HSV aber auch ein wunderbares Vereinsleben mit viel Spaß, tollen Freunden und vielen Feiern. Es war eine großartige Zeit. Die nächsten Jahre waren im Verein und im Verbund mit der SSG Braunschweig weiterhin sehr erfolgreich. Mit dem Abschluss der Schule, der Einberufung zur Bundeswehr und der Freundin in Essen veränderte sich mein Lebensweg ein weiteres Mal sehr deutlich. Ich trainierte bei der Bundeswehr in der Sportfördergruppe Warendorf und wohnte wegen der größeren Nähe in Essen. Letztendlich zog es mich nach Dormagen in der Nähe von Köln, da ich dort Schwimmen, Beruf und Familie am Besten in Einklang bekommen konnte. Durch Sigrid Koch wusste ich, dass man nichts geschenkt bekommt und nun hatte ich beim TSV Bayer Dormagen einen Trainer vom gleichen Schlage. Es folgten weitere erfolgreiche Jahre auf nationaler und internationaler Ebene mit Titeln und Rekorden, die ich heute, rückblickend betrachtet, viel mehr genießen kann als zum Zeitpunkt des Erfolges selbst. Erreichen konnte ich das alles nicht mit meinem Talent im Schwimmen allein, sondern durch die Menschen, die mich auf dem Weg begleitet und geformt haben. Erfolg zu haben, ist eine innere Einstellung zur Leistung. Wenn man diesen Punkt findet, dann wird der Trainer dein bester Freund.

An dieser inneren Einstellung hat sich auch in meinem Berufsleben nichts geändert. Ich bin heute Leiter in einem sehr erfolgreichen IT Unternehmen, trage die Verantwortung für fünfundzwanzig Mitarbeiter und versuche, viele Erfahrungen aus dem Sport in den Beruf zu übertragen. Nun bin ich der Trainer meiner Kollegen und versuche motivierend, Einfluss auf ihre eigene Entwicklung und Einstellung zur Leistung zu nehmen. Das macht mir großen Spaß und erzeugt eine große Befriedigung, Menschen auf ihrem Weg ein guter Begleiter zu sein.

An die Zeiten in Helmstedt denke ich gern zurück, denn sie haben mich für meinen weiteren Lebensweg maßgeblich geformt. Über die Entwicklung des Helmstedter Sportvereins bin ich natürlich weiterhin über das Internet und durch gelegentliche Besuche bei meiner Mutter in Helmstedt relativ gut informiert. Mich freut besonders, dass viele meiner frühren Schwimmkameraden, die ich auf diesem Wege grüße, noch immer sportlich aktiv sind. Ich treibe heute ebenfalls noch Sport und laufe drei- bis viermal in der Woche jeweils eine Stunde, um mich fit zu halten. Durch meine heimatliche Nähe bin ich ein großer Fan des VfL Wolfsburg, der mich in dieser Saison aber schon mehrfach enttäuscht hat. Vielleicht bin ich zum Spiel gegen FC Schalke 04 am 13.11.2010 in Wolfsburg. Ich fühle mich meiner Heimat innerlich sehr verbunden und genieße daher jeden Besuch in Helmstedt“.

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