Bötschenberg-News 2010

Henning Schrader: Schwimmstar und Touristikfachwirt

 Der Touristik-Fachwirt und Geschäftsführer der Tourismusgemeinschaft Elm-Lappwald Henning Schrader (52) sitzt wieder einmal an seinem Schreibtisch beim Landkreis Helmstedt im Rosenwinkel. Kaum hat er den Telefonhörer aufgelegt, klingelt es schon wieder. Einem Mail-Eingang folgt der nächste. Kollegen und Besucher gehen ein und aus. So geht es den ganzen Vormittag im Amt für Wirtschaftsförderung, Fremdenverkehr und Statistik. Henning Schrader ist ein viel beschäftigter Mitarbeiter des Landkreises Helmstedt. Auf Wunsch gibt er uns Auskunft über seine Karriere als Schwimmstar des Helmstedter Sportvereins:

„Nein, ein Schwimmstar war ich nicht und wollte es auch nicht sein. Aber das Schwimmen ist mein Sport, den ich nun schon über vierzig Jahre im Helmstedter Sportverein ausübe. Angefangen habe ich im Jahre 1968 allerdings, wie sollte es für einen zehnjährigen Jungen anders sein, mit Fußball, natürlich auch beim HSV. Da ich aber meine Fußballschuhe immer selbst putzen musste, meine Mutter hat darauf als erzieherische Maßnahme bestanden, habe ich mir überlegt, ob es auch noch etwas anderes für mich gibt. Also bin ich im Jahre 1969, es kann aber auch im Jahre 1970 gewesen sein, im Freibad einmal zu den ´Wasserratten` ge-gangen und habe gefragt, ob ich mal mitmachen kann. Ich durfte und der legendäre Otto Völker fand, dass ich eine gute Figur machte. Auch damals schon hat Sigrid Koch darauf bestanden, dass ich der Schwimmabteilung des Vereins beitrete. Also fing ich an, das Schwimmen zu trainieren. Zunächst nur Brust und ein wenig Freistil und dann kamen so nach und nach die anderen Lagen hinzu. Mein Trainer wurde dann Günter Kuhnert. Nach der Freibadsaison ging es in die ´große Badewanne`, dem Lehrschwimmbecken an der Goethestrasse. Hier haben wir nicht nach Metern geschwommen; die Kommandos lauteten: 100 Bahnen Freistil, 60 Bahnen nur Arme, 40 Bahnen Beine. So ging es dann ordentlich ´hin und her`. Alle Helmstedter waren echte ´Weltmeister` bei den Wenden. Im Lehrschwimmbecken musste ich anfangs ´hinten dran schwimmen`, aber nach und nach kämpfte ich mich nach vorn und durfte dann bald an der Spitze die Bahnen zählen. Mit Gunther, Siggi und Brunhild Dörschlag, Ludwig und Hansi Geyer, Susanne ´Vize` Zdralek, Heike Dräger, Kiki Isensee und vielen anderen zogen wir so unsere Bahnen und bald stellten sich erste Erfolge ein. Im Winterhalbjahr ging es dann einmal in der Woche nach Alversdorf in das BKB-Hallenbad. Toll, so eine warme Halle mit 25-Meter-Bahnen. Dann übernahmen Hansi Müller und Sigrid Koch das Training und wir wurden immer besser mit unseren Leistungen. Schon bald wurde ich Jahrgangsmeister im Bezirk über 100 m Rücken und auch auf Landesebene ging es steil bergauf. Mit Günter Kuhnert fuhren wir dann im Jahre 1971 nach Bamberg zu den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften. Dort erreichte ich sowohl über 200 m Rückenschwimmen als auch 200 m Lagen den Vizemeistertitel und dann packte mich ein wenig Ehrgeiz. Die Trainingseinheiten wurden etwas ausgedehnt und die sportlichen Erfolge auf Landes- und Norddeutscher Ebene machten richtig Spaß. Im Sommer des Jahres 1974 machten wir uns dann auf nach Berlin zu den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in die schöne Schwimmsporthalle in Schöneberg, in der Mark Spitz drei Jahre zuvor zwei Weltrekorde über 100 m Delphin und 200 m Freistil aufgestellt hatte. Wir, das waren Renate Sternberg und ihre Eltern, Sigrid Koch als Trainerin und Ulrike Routil als Fan. Dass dieses Wochenende lange in meinem Gedächtnis blieb, liegt wohl daran, dass ich völlig überraschend sowohl über 100 m als auch über 200 m Rücken den Deutschen Jahrgangstitel erreichen konnte. Die beiden Medaillen habe ich noch heute. Danach kamen dann die Ausbildung beim Landkreis Helmstedt und die Bundeswehr. Hier kam ich in der Sportfördergruppe unter und konnte mich noch einige Male in vorderster Position bei den offenen Landesmeisterschaften und den Norddeutschen Meisterschaften in meinen Rückenstrecken über 100 m in einer Bestzeit von 1:00,09 und die 200 m Lagen platzieren. Bei der Schwimm-Startgemeinschaft Braunschweig (SSG) war dann für einen Einzelathleten der Mannschaftsgeist gefragt, was mir noch einmal sehr viel Spaß gemacht hat. Die Herrenmannschaft konnte sich sogar für ein Jahr in der Bundesliga behaupten.

Dann gab ich dem Beruf und einer anderen Schwimmvariante (DLRG) den Vorrang, blieb der Schwimmabteilung des Helmstedter SV aber immer treu und stand, wenn ich gebraucht wurde, auch gern zur Verfügung. Nachdem Sigrid Koch so nach und nach die ´Alten` wieder aktivieren konnte und gute Erfolge vorzuweisen hatte und auch meine beiden Kinder sich dem Schwimmsport angeschlossen hatten, fing auch ich im Jahre 1999 wieder an, bei den ´Masters` zu trainieren. Es dauerte nicht lange und es stellten sich wieder die Erfolge ein. Bezirksmeister, Landesmeister und Norddeutscher Meister in Einzeldisziplinen und auch mit der gesamten Mastersmannschaft. Das macht richtig Laune und ich denke, ich werde dem Schwimmsport im Helmstedter Sportverein noch einige Zeit erhalten bleiben und meinen Spaß mit den ´Alten` haben.“

Der Helmstedter Sportverein dankt Henning Schrader für das Gespräch und wünscht ihm im Kreise seiner Schwimmkameraden/innen weiterhin viel Freude.

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