Bötschenberg-News 2010

Fußball: HSV-A-Juniorenspieler Jaime Arroyo Perez Rasilla kehrte nach Mexiko zurück

 Kennen Sie die Stadt Veracruz in Mexiko? Nein, dann muss sie Ihnen vorgestellt werden. Die Stadt Veracruz hat 800.000 Einwohner, liegt in Mexiko an der Küste des Golfes von Mexiko und ist etwa 450 km östlich von Mexiko-Stadt entfernt. Die Bewohner der Stadt nennt man ´Jarochos`. Veracruz ist die älteste Stadtgründung der Spanier im Jahre 1519 auf mexikanischem Boden, heute der größte und wichtigste Importhafen des Landes sowie Wirtschafts- und Produktionszentrum mit einer Nahrungsmittel- und Metallindustrie. Während der Sommermonate herrscht in Veracruz ein schwülheißes Klima. Hier ist Jaime Arroyo Perez Rasilla im Jahre 1991 geboren und auch aufgewachsen, seine Eltern sind beide in der Marketing-Branche tätig und haben viel zu tun, hier ist Jaime zuhause.

Jaime hatte Fernweh, wollte, wie sein Bruder zuvor, weg aus Veracruz, wollte als Austauschschüler für ein Jahr nach Deutschland. Jaime und seine Eltern nahmen Kontakt zur Organisation ´Youth For Understanding (YFU)` auf, die weltweit bildungsorientierte Austauschprogramme für Jugendliche ausrichtet und einjährige Gastfamilien- und Schulaufenthalte für Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren vermittelt. Hier war Jaime an der richtigen Adresse, denn nach einer ersten Kontaktaufnahme mit der Familie Thomsen aus Süpplingen stand fest, dass er für ein Jahr nach Süpplingen kommen und auf dem Bötschenberg-Gymnasium zur Schule gehen konnte. Anfang August 2009 traf er in Deutschland ein. Es ging aber erst nach einem Monat in Richtung Helmstedt weiter, denn er musste wegen fehlender Deutschkenntnisse zunächst noch an einem Sprachkurs der YFU teilnehmen.

Jaime, der von allen, auch in seiner Heimat, nur mit seinem Spitznamen ´Jimmy` angesprochen wird, wollte in Deutschland unbedingt Fußball spielen. So war es selbstverständlich, dass er sich dem Helmstedter Sportverein anschloss. Anfangs nahm er einige Male am Training der 1. Herrenmannschaft teil. Bei Trainer José Salguero war er nicht nur wegen seiner fußballerischen Fähigkeiten gern gesehen, der Trainer konnte durch Gespräche mit ihm auch selbst seine spanischen Sprachkenntnisse auffrischen. Die A-Junioren des Vereins wurden schnell auf ihn aufmerksam. Jimmy ist dann auch dort zum Training gegangen und wurde Stammspieler in der Bezirksligamannschaft der JSG Helmstedt. Anfangs wurde Jimmy nur im Sturm eingesetzt, weil er stets torgefährlich ist und einen Instinkt dafür hat, im Strafraum an der richtigen Stelle zu stehen. In der Rückserie hat ihn sein Trainer jedoch ins Mittelfeld gestellt, weil er ein gutes Spielverständnis aufweist, technisch versiert ist, keinen Zweikampf scheut und trotz seiner geringen Größe gut im Kopfballspiel ist. Er hat eine super Saison gespielt und maßgeblich dazu beigetragen, dass die Mannschaft den Klassenerhalt schaffte und Kreispokalsieger wurde. Den Pokal haben seine Mannschaftskameraden ihm zum Andenken an seine erfolgreiche Helmstedter Fußballzeit geschenkt.

Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und das Auftreten der mexikanischen Nationalmannschaft hat Jimmy stark interessiert. Natürlich hat er alle Spiele von Mexiko und Deutschland im Fernsehen verfolgt. Man hat aber deutlich gespürt, dass sein Herz intensiv für Mexiko geschlagen hat. Mark Gundlach, der zu seinen besten Freunden in Helmstedt gehört, erzählte: ´Ich kann mich noch sehr gut an das Spiel zwischen Mexiko und Frankreich erinnern, das wir uns gemeinsam angeschaut haben. Bei den Toren seines mexikanischen Teams ist er jubelnd auf die Straße gelaufen, damit auch die Nachbarn etwas von seiner Freude mitbekommen konnten. Und stolz war er auf seine Mexikaner und seine Freude war umso größer, dass wenigstens Deutschland die Niederlage Mexikos gegen Uruguay rächen konnte. Einige Spiele hat er sich beim Public Viewing auf dem Juleumshof angesehen und für zwei Spiele ist er extra nach Hannover gefahren, um dort mit seinen mexikanischen Freunden die Spiele Mexikos zu erleben und gemeinsam mit seinen Landsleuten zu feiern. Es gibt von ihm sogar ein Bild in der Zeitung, wo alle den Achtelfinaleinzug Mexikos feiern. In ihm habe ich die südamerikanische Fußballbegeisterung pur erlebt`.

Besser als sein Trainer Alaa Aldahir kann man Jimmy nicht beschreiben: ´Ich kann über ihn nur Gutes sagen. Er ist ein sehr fröhlicher, aufgeweckter, sympathischer und ehrlicher Typ, der immer fleißig trainiert hat. Seine Mitspieler haben ihn sehr gemocht und ins Herz geschlossen. Der Abschied von Jimmy wird uns allen sehr schwer fallen. Ich wünsche mir, dass er irgendwann einmal wieder nach Deutschland kommt. Wenn er dann noch in der Jugend spielen könnte, würde ich ihn jederzeit wieder in meine Mannschaft aufnehmen. Wir haben ihn als tollen Menschen, als guten Freund und als ballverliebten Fußballspieler kennen gelernt, werden ihn durch seine Rückkehr in seine Heimat aber leider auch verlieren, vielleicht nicht für immer`.

Im Süpplinger Winkel muss am Mittwochabend im Garten der Familie Thomsen einiges los gewesen sein. Dr. Martin Thomsen und seine Frau Carina hatten zur Abschiedsfete für Jaime geladen, der mit ihnen in ihrem Hause in Süpplingen ein Jahr lang als Austauschschüler gelebt hat. Und alle waren gekommen, viele Freunde und Freundinnen aus der näheren Umgebung, Schulkameraden vom Gymnasium am Bötschenberg (GaBö) und Sportfreunde aus Helmstedt feierten bis Mitternacht -und danach weiter bis zum Morgengrauen in der Helmstedter Disco ´Number One` - ein schönes, aber auch trauriges Abschiedsfest. Abschiedsgeschenke gab es reichlich, denn jeder hatte zur Erinnerung etwas mitgebracht. Alle wollten dabei sein, sich von ihrem Freund Jimmy zu verabschieden. Viele Tränen sollen an diesem Abend geflossen sein. Frau Thomsen und ihr Sohn Benjamin machten sich mit ihm bereits am Donnerstag auf dem Weg nach Frankfurt. Ausgeruht bestieg er dann am Freitag um 10:40 Uhr auf dem Frankfurter Airport eine Maschine der Air-France, die ihn mit einer Zwischenlandung in Paris direkt nach Mexiko-City zu seinen Eltern gebracht hat. Am Flughafen der mexikanischen Hauptstadt nahmen seine Eltern und Geschwister ihren Jaime wieder freudestrahlend in die Arme.

Der Helmstedter Sportverein ist erfreut darüber, dass Jaime (Jimmy) in der A-Juniorenmannschaft des Vereins mit Begeisterung Fußball gespielt hat und, um viele neue Erkenntnisse und Freundschaften reicher, wieder wohlbehalten in seiner Heimat eingetroffen ist. Er wird Helmstedt und seine Sportkameraden mit Sicherheit in guter Erinnerung behalten. Vielleicht gibt es ja eines Tages ein Wiedersehen auf dem Bötschenberg, willkommen wäre er allemal!

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