Bötschenberg-News 2010

Maulwürfe auf dem Bötschenberg

 Eigentlich ist es ein gutes Zeichen, wenn sich auf dem Bötschenberg Maulwürfe aufhalten, da die Tiere sich nur in gesunder, fruchtbarer Erde wohl fühlen, in der sie ausreichend Nahrung in Form von Kleinlebewesen finden. Zudem sind die kleinen Wühler sogar nützlich, da sie ausschließlich tierische Nahrung zu sich nehmen, darunter auch zahlreiche Pflanzenschädlinge. Wenn aber die Erdhügel auf einem gepflegten Rasensportplatz überhand nehmen, bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, die Tiere zu vertreiben.

Auf dem Bötschenberg ist jetzt eine neu installierte Anlage zu sehen. Die Vermutung, dass diese Anlage der Vertreibung von Maulwürfen dient, ist falsch. Es handelt sich um eine Sonde, die zu einem vom Bundesamt für Strahlenschutz betriebenen Messsystem für Radioaktivität gehört, die die Dosisleistung am Messort bestimmt. Das Messsystem dient dem radiologischen Notfallschutz und ermöglicht eine Dokumentation der Strahlenbelastung der Bevölkerung in Deutschland. Das Messnetz soll schnell vor erhöhter Gammastrahlung in der Atmosphäre warnen, etwa durch einen Schadensfall in einem Kernreaktor. Das Messnetz besteht aus sechs Messnetzknoten in Berlin, Bonn, Freiburg, Neuherberg bei München, Rendsburg und Salzgitter, die die rund 1.900 automatisch arbeitenden Messstellen betreuen. Die Sonden sind flächendeckend über ganz Deutschland verteilt, etwa alle zwanzig Kilometer steht eine Sonde, wobei die Sondendichte im Radius von hundert Kilometern um die Kernkraftwerke dichter, außerhalb geringer ist. Nach Freisetzung einer Wolke können die Ausbreitung und die Stärke der Strahlung mit Hilfe des Messnetzes genau bestimmt werden. Mit den gemessenen Werten lassen sich mit Hilfe von Simulationen Prognosen erstellen, die direkt in den Notfallschutz eingehen.

Jede Sonde des Messnetzes beinhaltet zwei Geiger-Müller-Zählrohre, die die Dosisleistung einen Meter über dem Boden messen. Die Sonde ist in einem 60 cm tiefen Kabelgraben verlegt und mit einem Messwertsender verbunden. Der Messwertsender selbst ist in einem Wandgehäuse untergebracht. Zur Datenübertragung ist die Installation eines Telefonanschlusses erforderlich. Durch das Kabel laufen sowohl die Messergebnisse von der Sonde als auch die Stromversorgung für die Sonde. Um die Messwerte der Stationen miteinander vergleichen zu können, werden die Sonden möglichst auf einer ebenen Wiese aufgestellt, die im Umkreis von etwa zwanzig Metern frei von weiterem Bewuchs ist. Aus den Messergebnissen werden 10-Minuten- und 2-Stunden-Mittelwerte gebildet, die dann per Modem über das Telefonnetz automatisch meist einmal pro Tag von dem zuständigen Messnetzknoten abgerufen werden. Bei Überschreitung eines Grenzwertes oder bei technischen Störungen wird von dem Messwertsender sofort eine automatische Meldung abgegeben. Die Rechnersysteme in den Messnetzknoten sind parallel ausgelegt. Bei Ausfall eines Messnetzknoten kann ein anderer Knoten die Aufgabe mit übernehmen, so dass die Überwachung der Ortsdosisleistung auch im Krisenfall unter allen Umständen garantiert ist. Im Intensivbetrieb, etwa im Katastrophenfall, wird jede Messstelle alle zehn Minuten abgefragt.

Über die Einrichtung dieser Messstelle auf dem Bötschenberg ist zwischen dem Bundesamt für Strahlenschutz und dem Helmstedter Sportverein eine Vereinbarung abgeschlossen worden, in der neben dem Gestattungsgegenstand auch die Übernahme der Kosten für die Installation sowie der Betriebskosten geregelt worden sind.

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