Bötschenberg-News 2011

Bundesverdienstkreuz für Manfred Reichert

Verleihung des BundesverdienstkreuzesDer Bundespräsident hat Manfred Reichert das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Der Verdienstorden ist Manfred Reichert am 24.09.2011 im Rahmen einer Feierstunde in der ´Bötschenberg-Schänke` durch den Stellvertretenden Landrat Rolf-Dieter Backhauß überreicht worden. Hier für alle Mitglieder und Freunde des Helmstedter Sportvereins, die an der Feierstunde nicht teilnehmen konnten, die Ansprache des Stellvertretenden Landrats:

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die heutige Feierstunde, zu der wir uns versammelt haben, gilt dem 1. Vorsitzenden des Helmstedter Sportvereins, Herrn Manfred Reichert. Der Herr Bundespräsident hat Ihnen, sehr geehrter Herr Reichert, am 04.07.2011 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Ich habe heute die Ehre, Ihnen diese hohe staatliche Auszeichnung aushändigen zu dürfen.

Bevor ich hierzu komme, gestatten Sie mir, dass ich auf Ihre Person, Ihren beruflichen Werdegang und nicht zuletzt auf die Verdienste, die zur Verleihung des Bundesverdienstordens durch den Bundespräsidenten geführt haben, eingehe. Unser Jubilar wurde am 03. Juli 1945 in Helmstedt geboren und ist seiner Heimatstadt bis heute treu geblieben. Seit dem Jahre 1995 ist er mit seiner Frau Barbara verheiratet, er hat eine Tochter. Nach dem Schulabschluss mit der mittleren Reife an der damaligen Mittelschule in Helmstedt und Kaufmännischer Berufsschule lernten Sie zunächst den Beruf des Großhandelskaufmanns bei Edeka in Helmstedt und waren bei diesem Unternehmen, unterbrochen durch Ihren Wehrdienst, noch einige Jahre tätig, bevor Sie in Paderborn und in Wolfsburg andere berufliche Aufgaben übernahmen. Zwischen 1971 und 1974 qualifizierten Sie sich mit Vorstudium und Studium bei der Deutschen Angestellten Akademie in Groß Hansdorf beruflich weiter und schlossen dieses Studium erfolgreich mit dem akademischen Grad des Grad. Betriebswirtes ab. Es folgten weitere berufliche Stationen als Abteilungsleiter bei dem Blau/Gelb-Einkaufszentrum in Braunschweig, als Abteilungsleiter bei der Spedition Kunow in Helmstedt und Geschäftsführer der GHW Haldensleben. Zwischen 1991 und 1992 durchliefen Sie eine Ausbildung zum Versicherungsfachmann und übernahmen 1992 die Bezirksvertretung der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, die Sie bis zu Ihrem Eintritt in den Ruhestand inne hatten.

Ihre Ausbildung, Ihr Studium und Ihre Berufstätigkeit sind zwar die Basis für alles andere, wären jedoch kein Grund für eine Auszeichnung mit dem Bundesverdienstorden. Hierfür entscheidend ist vielmehr die ehrenamtliche Tätigkeit, die Sie über Jahrzehnte mit intensivem Einsatz und auch außerordentlich erfolgreich im Sportvereinsbereich in Ihrer Heimatstadt Helmstedt ausgeübt haben. Von 1953 an hatten Sie als Kind zunächst Ihre sportliche Heimat im TSV Fichte gefunden, dem Sie bis 1960 treu blieben. Ihre endgültige Berufung im Sportvereinsbereich fanden Sie jedoch beim Helmstedter Sportverein, in den Sie im Jahre 1960 eintraten. Am Anfang Ihrer Vereinsmitgliedschaft stand natürlich die aktive sportliche Betätigung zunächst bis 1963 im Jugendfußball und dann als Aktiver sechzehn Jahre lang im Herrenfußball und weitere zwanzig Jahre, seit 1979, im Seniorenfußball. Schon während Ihrer aktiven Zeit wurden Sie 1975 in den Vorstand des Vereins gewählt und übernahmen zunächst vier Jahre lang die Aufgabe des Sport- und Jugendwartes, dann bis 1982 die Funktion des Fußball-Obmanns. Seit 1982 durchliefen Sie sozusagen eine Vorstandskarriere, angefangen beim Amt des ersten Kassenwarts, das Sie in den Jahren von 1982 bis 1984 inne hatten, des ersten Schriftführers 1984 und 1985 und fortgesetzt 1985 bis 1988 mit dem Amt des zweiten Vorsitzenden und gekrönt 1988 mit dem Amt des ersten Vorsitzenden, das Sie bis heute mit großem Gestaltungswillen und Tatkraft ausüben.

Wer sich in Vereinen nicht nur als aktives Mitglied betätigt, sondern Funktionen im Vorstand übernimmt, der weiß, dass solche Aufgaben, gerade bei einem solch großen Verein, wie dem HSV mit seinen rund 2.500 Mitgliedern, zwanzig verschiedenen Sportarten wie z. B. Aerobic, Fußball, Handball, Judo, Kinderturnen, Tennis und Tischtennis, auch hohe Ansprüche stellen und nicht immer nur sonnige Tage mit sich bringen. Diesen Herausforderungen stellen Sie, Herr Reichert, sich seit nunmehr dreiundzwanzig Jahren als erster Vorsitzender des größten Sportvereins im Landkreis Helmstedt. In dieser Zeit hat sich der HSV, Ihr Verein, in der Tat nicht ohne Ihr Zutun außerordentlich erfolgreich entwickelt. Diese Entwicklung und äußere Einflüsse, wie der Ausbau der unmittelbar ans Vereinsgelände angrenzenden Autobahn, bedeuteten aber auch immer wieder große Herausforderungen im organisatorischen und finanziellen Bereich, die Sie mit Ihrem Vorstand erfolgreich bewältigt haben, so dass sich Ihr HSV heute in guter Verfassung präsentiert. In der Zeit, in der Sie Verantwortung als erster Vorsitzender tragen, unter Ihrer Anleitung und mit Ihrem Einfluss wurden moderne Vereinsstrukturen geschaffen. Hierzu gehört der Erlass eines zeitgerechten Satzungsrechts, die Einführung einer computergesteuerten Mitgliederverwaltung, eines zuverlässigen Rechnungs- und Beitragswesens, der Aufbau einer übersichtlichen Aktenhaltung, die Einrichtung einer hauptamtlich besetzten Geschäftsstelle. Dies alles gelang Ihnen in einem Team mit engagierten Vorstandsmitgliedern, tüchtigen Abteilungsleitern, kreativen Übungsleitern und zuverlässigen Betreuern sowie durch die Einstellung eines hauptamtlich tätigen Platzwartes unter Einbindung zahlreicher langjähriger Vereinsmitglieder.

Aus der langen Reihe von Investitionsvorhaben, die das Bötschenberg-Stadion des HSV zu einer vielseitigen und modernen Sportanlage, wie sie sich heute darstellt, haben wachsen lassen, möchte ich nur einige beispielhaft herausgreifen: Bereits im ersten Jahr Ihrer Zeit als erster Vorsitzender wurden zwei neue Tennisplätze gebaut und eingeweiht. Im nächsten Jahr folgten zwei weitere Tennisplätze. Aus dem Jahr 1993 möchte ich den Bau einer Beach-Volleyball-Anlage und die Einrichtung eines Sitzungsraumes für Abteilungen erwähnen. Im Jahre 1996 wurde ein neuer Übungsraum für die Fitnessabteilung er-richtet und im Jahre 1997 wurde das Bötschenberg-Stadion mit dem A-Platz fertiggestellt. Die Einweihung der Mehrzweckhalle für das Fitnesscenter sowie die Autobahn-Schallschutzwand waren weitere wichtige Schritte. Der C-Platz wurde saniert sowie Bäume, Büsche und Sträucher neu angepflanzt. Im Jahre 1999 konnten Sie die Einweihung des Bötschenberg-Stadions mit der Terrasse an der Vereinsgaststätte feiern. Im Jahr 2000 waren das Oberflächen-Wassersammelbecken fertig gestellt und die Sanierung des B-Platzes abgeschlossen. Im Jahre 2001, sie gingen mit der Zeit, wurde ein Beach-Soccer-Feld gebaut. Im Jahre 2003 richtete der HSV ein Zentrum für den Gesundheitssport ein. Für beispielhafte Aktivitäten zum Schutze der Umwelt wurde dem Verein der Umweltpreis der Stadt Helmstedt verliehen.

Durch Teilnahme an sportlichen und geselligen Veranstaltungen mit Sportlern aus Helmstedts Partnerstädten haben Sie die internationale Verständigung gefördert, ebenso wie Sie durch die Integration von ausländischen Kindern und Jugendlichen in den Sportbetrieb unter Einbeziehung derer Eltern Ihren Beitrag zu diesem wichtigen gesellschaftlichen Aufgabenfeld geleistet haben. Nach der Grenzöffnung und der Wiedervereinigung nahmen Sie Kontakte zu den östlichen Nachbarvereinen in Beendorf, Erxleben, Harbke und Haldensleben auf und luden Sportler aus den Nachbarkreisen in Sachsen-Anhalt zum gegenseitigen Kennen lernen und zum Abbau von Vorurteilen ein.

Großes Verantwortungsgefühl für das Gemeinwohl und beispielhaftes Entgegenkommen zeigte der HSV unter Ihrer Leitung bei der Planung und dem Ausbau der BAB 2 im Bereich des Bötschenberg-Stadions; durch Verzicht auf Teile der Sportplatzanlage, wie dem Rasenspielfeld, den Tennisplätzen und Kraftsportheim gegen nicht unerhebliche Widerstände von Vereinsmitgliedern. Auch stellten Sie längerfristig großzügig die Sportanlage als Zuwegung von Baufahrzeugen zum Autobahnausbau unter Einschränkung des Sportbetriebs zur Verfügung. Ihr besonderes Anliegen war der Breitensport. Durch Absage an den Profi-Sport, beispielsweise durch den Aufsehen erregenden freiwilligen Abstieg der ersten Fußballmannschaft im Jahre 1995 von der Bezirksoberliga in die Kreisklasse, schufen Sie bessere finanzielle Strukturen für den Verein. Sie stärkten den Breitensport durch Gründung einer Wanderabteilung im Jahre 1988, im selben Jahr auch einer Radsportabteilung und einer Sport-für-Jedermann-Gruppe im Jahre 1989. Es folgten die Handballspielgemeinschaft im Jahre 1990 sowie eine Triathlonabteilung im Jahre 1991, die Kampfsportabteilungen Karate und Taekwondo im Jahre 2003 sowie mehrere Gesundheitssportgruppen ebenfalls im Jahre 2003. Ein besonderes Anliegen war Ihnen auch die Kooperation mit ortsansässigen Schulen. Diese eindrucksvolle Fülle von Projekten, die unter Ihrer Verantwortung und Leitung entwickelt und realisiert wurden und das damit verbundene stetige erfolgreiche Wachstum des Großvereins HSV sind Ausdruck dafür, dass der Helmstedter Sportverein und die Stadt Helmstedt Ihre Heimat sind, dass Sie sich dem Sport schon durch Ihre Prägung im Elternhaus und früher Jugend in besonderer Weise verbunden fühlen. Nur auf dieser Basis war Ihr jahrzehntelanger Einsatz in vielen Funktionen unter Zurückstellung familiärer Belange und ohne Rücksicht auf zeitliche und finanzielle Belastungen für Sie leistbar.

Für Ihre Verdienste in und um den Sport in Helmstedt und insbesondere für den HSV haben Sie bereits zahlreiche Ehrungen auf Vereins- und Kreisebene erhalten. Der Landessportbund Niedersachsen hat Sie im Jahre 2003 mit der silbernen Ehrennadel und im Jahre 2005 mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Außerdem hat der Niedersächsische Fußballbund Ihre Verdienste im Jahre 2004 mit der goldenen Ehrennadel des Niedersächsischen Fußballbundes gewürdigt.

Mit der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das ich Ihnen jetzt aushändigen werde, hat der Bundespräsident über alle Ihnen bisher auf Sportverbandsebene verliehenen Auszeichnungen hinaus Ihren uneigennützigen, jahrzehntelangen Einsatz für Ihre Vereinskameraden, für die Bürger der Stadt und für unsere Gesellschaft gewürdigt und damit zum Ausdruck gebracht, dass Sie sich um die Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht haben. Zu dieser besonderen Auszeichnung gratuliere ich Ihnen persönlich und im Namen des Landkreises Helmstedt ganz herzlich und wünsche Ihnen weiter viel Freude bei Ihrer ehrenamtlichen und sportlichen Betätigung.

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