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Helmstedter SV gewann das erste Lokalderby

Das erste Spiel um die Vorherrschaft im Helmstedter Fußball zwischen den beiden Amateurliga-Mannschaften entschied gestern der HSV für sich. Etwa 2.000 Zuschauer waren auf dem TSV-Platz an der Masch Zeuge einer Begegnung, die, wenn auch nicht immer spielerisch und technisch, so doch in kämpferischer Hinsicht überzeugte. Der Sieg des HSV ist verdient, die Mannschaft kämpfte in einem Stil, wie man sie in den bisherigen Spielen nicht sah. Sie ging in dieses Spiel mit der Parole, dass man nichts mehr zu verlieren, sondern nur alles zu gewinnen hat. Die Rechnung ging auf. Der TSV dagegen fand während des gesamten Spieles nie den rechten Zusammenhang und der Sturm operierte viel zu drucklos, um die konsequent deckende Hintermannschaft der Schwarz-Weißen ernstlich in Gefahr zu bringen. Zudem hatten die HSVer in Torwart Schmidt einen ihrer besten Spieler. Ohne Zweifel ging der TSV als Favorit in diese Begegnung. Die letzten Ergebnisse und der Tabellenstand sprachen klar dafür. Aber wieder einmal erwies es sich, dass Lokalkämpfe ihre eigenen Gesetze haben. Rein spielerisch war der TSV nicht einmal viel schlechter als sein Gegner, doch der Drang zum Tor ließ manches zu wünschen übrig. Zum Anderen mangelte es noch recht oft am Verständnis untereinander. Der HSV holte sich mit diesem Erfolg die ersten doppelten Punkte dieser Spielserie. Dass dies zudem noch gegen den Lokalrivalen gelang, macht diesen Sieg um so wertvoller. Auftrieb für die kommenden Spiele dürfte es auf jeden Fall geben. Der TSV sollte aber die Niederlage nicht allzu tragisch nehmen. Man hatte einen schwarzen Tag und vermochte auch eine gewisse Nervosität nicht abzulegen. Zudem traf man auf einen Gegner, der an diesem Tage an Kampfkraft kaum zu überbieten war.

Der HSV spielte sofort offensiv. Nach drei Minuten krachte ein Bombenschuss von Schwieger an die Latte und den Abpraller köpfte Knigge zum 1:0 ins Netz. Die Platzherren drängten zwar sofort mächtig auf den Ausgleich, aber die HSV-Hintermannschaft war auf dem Posten und konnte die zu durchsichtig einge-fädelten Angriffsaktionen sicher stoppen. Die Schwarz-Weißen dagegen trugen ihre Angriffe weiträumig vor und hatten in Sowitzki einen hervorragenden Halbstürmer, der die Bälle gekonnt ver-teilte. So hieß es schließlich nach 13 Spielminuten, wiederum durch Knigge, 2:0. Er schoss den Ball aus wenigen Metern an Torwart Winschewski vorbei ins linke untere Eck. Die TSVer setzten nun etwas mehr Dampf hinter ihr Spiel, hatten auch verschiedentlich gute Szenen, scheiterten aber immer wieder an HSV-Torwart Schmidt, der sich vor allem bei hohen Bällen als unüberwindlich erwies. Dennoch gelang dem TSV in der 28. Minu-te das Anschlusstor. Schmidt war überspielt und aus einem Gewühl vor dem Tor beförderte Unverhau schließlich das Leder über die Linie. Kurz vor der Pause hatte Knigge noch einmal eine große Chance, aber sein Kopfball ging knapp am Tor vorbei. In der zweiten Halbzeit ließ das scharfe Anfangstempo etwas nach, verständlich nach dem schnellen Spiel beider Mannschaften in den ersten 45 Minuten. Sichere Tor-chancen gab es zunächst kaum. Die Abwehrreihen waren auf dem Posten. Die Blau-Weißen vermochten sich nicht zu steigern, ihr Spiel lief einfach nicht. So gab es weiter ein leichtes Übergewicht des HSV, doch erst in der 77. Minute fiel der alles entscheidende dritte Treffer. Ein über mehrere Stationen geführter Angriff kam zu Borstelmann, der geschickt an Torwart Winschewski vorbei zum 3:1 einschoss. Dieser Treffer wurde verständlicherweise von den HSV-Anhängern mit großem Jubel bedacht. Die Schlussoffensive der Platzherren brachte die HSV-Hintermannschaft nicht mehr in Bedrängnis. Zwar gab es kurz vor Schluss noch zwei gefährliche Strafstöße für den TSV, doch etwas Zählbares sprang nicht mehr heraus. Es steht außer Zweifel, dass an diesem Tage die bessere Mannschaft gewonnen hat. Mit Torwart Schmidt und Halbrechts Sowitzki hatte der HSV die tragenden Säulen. Neben diesen ragten noch Baukus, Knigge und Borstelmann heraus. Beim TSV dagegen gab es kaum eine auffallende Spielerpersönlichkeit. Linksaußen Schneider fiel recht angenehm auf, doch wurde er zu selten angespielt Daneben wäre noch die Läuferreihe zu nennen, die vergeblich versuchte, Linie in das Spiel zu bringen. Rechtsaußen Gieseke II kam diesmal kaum zur Geltung. Die beiden Verteidiger, vor allem Oborny, kamen mit den flinken HSV-Stürmern nicht immer zu Rande. Erfreulich war, dass das Spiel trotz des Einsatzes, um den es ging, und trotz aller Härte im großen und ganzen fair blieb.

Schiedsrichter Wiege aus Salzgitter hatte das Spiel fest in der Hand und unterband energisch alle Härten. Der TSV Helmstedt spielte mit Winschewski; Oborny, Vergin; Knauth, Birkenmaier, Gieseke I; Gieseke II, Harms, Unverhau, Holtappels, Schneider. Der HSV Helmstedt trat mit Schmidt; Schröder, Wittneben; Baukus I, Kaschmirczak, Betzner; Pannasch, Sowitzki, Schwieger, Borstelmann und Knigge an. Torschützen: 3. Minute: 0:1 Knigge, 13. Minute: 0:2 Knigge, 28. Minute: 1:2 Unverhau, 77. Minute: 1:3 Borstelmann.

Quelle: Helmstedter Kreisblatt

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