Archiv 1913 bis 2008

Feldpostnachrichten des VfL Helmstedt

Liebe Sportkameraden! Wie schnell sind doch die Monate seit dem Erscheinen des letzten Feldpostnachrichtenblattes vom 17.07.1944 vergangen und welche ereignisreiche Zeit in dem heutigen Kriegsgeschehen liegt hinter uns! Wir befinden uns schon wieder im Dezember. Noch hat es die Natur mit uns gut gemeint und mildes Wetter beschert. Heute haben wir hier allerdings den ersten Schnee und es scheint nun doch Winter zu werden. Das sechste Kriegsweihnachtsfest steht vor der Tür! Leider wird auch in diesem Jahre wieder der größte Teil von Euch darauf verzichten müssen, dieses schöne Fest im Kreise der Familie feiern zu können. Umso herzlicher sind daher die Wünsche, die Euch die Heimat zum Weihnachtsfest sowie zu dem sich anschließenden Jahreswechsel übermittelt. Der Schicksalskampf unseres Volkes ist in ein entscheidendes Stadium getreten. An allen Fronten toben harte, erbitterte Kampfe; der feindliche Luftterror auf die Heimat hat seinen Höhepunkt erreicht. Mit allen Kräften wird die Heimat die Stunde der Prüfung bestehen, um an der Erringung des Endsieges beizutragen, darauf sollt ihr Euch verlassen! Mit starkem Herzen und im unerschütterlichen Glauben an den deutschen Endsieg geht es in das Jahr 1945. Möge Euch allen, liebe Sportkameraden, auch im neuen Jahre das Soldatenglück stets hold sein!

Über die Begebenheiten in der Heimat werdet Ihr im großen und ganzen durch Eure Angehörigen auf dem laufenden gehalten sein. Auf dem sportlichen Gebiet hat sich im Laufe der vergangenen Monate nicht sehr viel ereignet. Wie könnte es auch anders sein! Die Maßnahmen für den totalen Krieg zeichnen sich auch hier mit aller Deutlichkeit ab. Leider haben wir wiederum die Pflicht, mit stolzer Trauer die Namen einiger lieber Sportkameraden mitzuteilen, die in den letzten Monaten auf dem Felde der Ehre geblieben sind. Wir trauern um die Sportkameraden Oberwachtmeister Karl Fischer, Unteroffizier Heinz Czok, Obergefreiter Albert Hartmann, Gefreiter Wolfgang Gunkel, Obergefreiter Lothar Roszyk und OT-Mann Franz Musial. Außerdem verlor unser alter Sportkamerad Franz Wittkowski seinen lieben Sohn Roland au der Front. Wir werden diesen treuen Sportkameraden stets ein ehrendes Andenken bewahren! Ungewiss ist noch das Schicksal unserer Frontkämpfer Franz Völker, Erwin Rother, Willi Vetter, Helmut Buchholz, Alfred Flohr, Walter Schöndube, Kurt Fricke und Willi Gatzka, die teils vermisst, teils ungewöhnlich lange Zeit nichts von sich hören lassen haben. Werner Buchholz wurde verwundet und befand sich einige Zeit im hiesigen Reservelazarett. Adolf Künne zog sich auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz eine schwere Armverwundung zu. Auch er befindet sich im hiesigen Reservelazarett in ambulanter Behandlung. Schwerer ist die Verwundung von Franz Korsanke, dem ein Bein amputiert werden musste. Fritz Bunk ist von seiner letzten Verwundung wieder hergestellt, Wir wünschen allen Sportkameraden, die verwundet sind, gute Genesung! Kurt Fischer ist von den schweren Verletzungen, die er im Mai diesen Jahres durch amerikanische Tiefflieger erlitt, so ziemlich wieder hergestellt, nachdem er zwischenzeitlich noch einmal das Krankenhaus hat aufsuchen müssen. (…)

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