Vereine stellen sich der Zukunft

Als Konsequenz auf die vom Rat der Stadt Helmstedt beschlossenen Kürzungen trat der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Helmstedter Sportvereine (Arge) von seinem Amt zurück. Er könne nicht verstehen, wie die Zuschüsse bei denen, die die Kinder von der Straße holen, so drastisch gekürzt würden, formulierte Rudi Sorge, bisheriger Arge-Vorsitzender, seinen Arger. Die Sparmaßnahmen seinen vor allem in Hinblick auf die ungerechte Verteilung der Fördermittel nicht nachvollziehbar. Dem Argument schließt sich Manfred Reichert, Vereinsvorsitzender des Helmstedter Sportvereins (HSV) an. ´In Anbetracht der finanziellen Lage der Stadt Helmstedt sind Kürzungen der freiwilligen Leistungen nachvollziehbar.

Jedoch sollte dies für alle Vereine und sonstige Veranstaltungen im gleichen Umfang gelten`. Es fehlt an Nachwuchs. Doch auch ohne eine Finanzspritze haben es die Sportvereine des Landkreises nicht leicht: ´Die Mitgliederentwicklung der Vereine ist kreisweit rückläufig`, bestätigte der Vorsitzender des Kreissportbundes (KSB) Jürgen Nitsche in einer Pressemitteilung das subjektive Empfinden der Vereine. Besonders stark sei die Kreisstadt mit einem Verlust seit dem Jahre 2008 in Höhe von 16,3 Prozent betroffen, was 1.432 Personen entspricht. So musste der HSV mit aktuell 2.120 Mitgliedern einen Rückgang etwa 170 Mitgliedern im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. Ebenfalls von Verlusten spricht Fred Gronde, Vereinsvorsitzender des TC Schöningen: ´Wir haben und seit einigen Jahren bei rund 1.000 Mitgliedern eingependelt. Im Zuge einer Bestandsanalyse zum 30. September wurde festgestellt, dass es sich bei den Rücktritten vorwiegend um Jugendliche handelt, die aufgrund von Studium oder Arbeitsbedingungen wegziehen, oder um ältere Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen kein Sport mehr treiben können`. Solche Abgänge hat es jedoch schon immer gegeben, neu allerdings ist das Problem, dass weniger neue Mitglieder nachrücken. Der Nachwuchs fehle, so die Vereine einhellig. Gründe für das sinkende Interesse an einer Vereinsmitgliedschaft seien Jedoch nicht etwa die stets schuldige demografische Entwicklung. Auch eine Verschiebung der jugendlichen Interessen möchte keiner der Vereinsverantwortlichen unterschreiben. Individuelle Freizeitgestaltung sei generell nicht das Problem, meint Klaus-Peter Worlich vom TSV Helmstedt. ´Auf lange Sicht gesehen wird die Ganztagsausbildung an Schulen den Vereinen den Nachwuchs entziehen, besonders in den Sportarten Turnen und Leichtathletik`. Reichen würde es hingegen bereits, wenn Sport im Rahmen der Ausbildung den gleichen Stellenwert wie Fremdsprachen oder Mathematik erhalten würde. Dies sei nicht allein für die Vereine von Vorteil, sondern für die Gesellschaft: ´Regelmäßig kommen in den Medien Meldungen über ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen. Zeitschriften werben ständig mit neuen Diäten und Sozialverbände klagen über soziale Kälte und Vereinsamung der Rentnergeneration`, beobachtete Worlich. ´Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, werden Regierungsprogramme auferlegt und Informationskampagnen verbreitet. Dabei bietet ein Sportverein eine weitaus nähere Lösung`. Die Qualität wird leiden. Doch das umfangreiche Gesundheits- und Sozialangebot, so Worlichs Befürchtung, könne unter Betrachtung der Arbeitsmarkt- und Bevölkerungsentwicklung nicht lange aufrecht erhalten werden. Gerade die Kürzungen der Zuschüsse hätten gravierende Auswirkungen auf die Qualität und den Umfang der Vereinstätigkeit in Helmstedt. Eine weitere Konsequenz seien sinkende Mitgliederzahlen. So konnte der TC Schöningen den Mitgliederverlust einzig mit dem neuen Zumba-Angebot kompensieren, das 70 neue Mitglieder gewonnen hätte. Langfristig allerdings müsse sich der Verein etwas anderes überlegen, weiß auch Gronde. Für den KSB liegt die Lösung in Kooperationen mit Schulen, aber eben auch mit anderen Vereinen. ´Eine andere Möglichkeit gibt es nicht`, ist sich auch Reichert sicher, der einer Kooperation zwischen dem TSV und dem HSV nicht abgeneigt ist. ´Ich werde bei jeder sich bietenden Gelegenheit unterstreichen, dass ich für einen Zusammenschluss bin`. ´Eine Kooperation zwischen Vereinen ist grundsätzlich eine gute Idee`, bestätigt Gronde. ´Jedoch müssen die Vereine dann auch zusammen passen. Am Beispiel des TC und des MTV gäbe es viele Gemeinsamkeiten, aber gerade in Bezug auf die Vereinstradition eben auch viele Missstände`. Dennoch sind sich die beiden Schöninger Vereine bereits einige Schritte näher gekommen und auch in Zukunft seien Kooperationen geplant, verrät Gronde. Die Erfahrung einer Fusion bereits gemacht haben die Vereine FC Schöningen und die SG Hoiersdorf/Twieflingen. Die zwei Fußballvereine hatten sich im vergangenen Jahr zur FSV Schöningen 2011 zusammengeschlossen. ´Ein akutes Nachwuchsproblem gab es nicht`, stellt Vorstandsmitglied Karsten Kräcker klar. Eher diente der Zusammenschluss als präventive Maßnahme, um sich langfristig als starker Verein zu positionieren`. Und schon im Jahre 1975 hatten sich in Königslutter ebenfalls zwei Vereine zu einem geformt. ´Manchmal muss man einfach über seinen Schatten springen`, meint Jürgen Gerke, Vorsitzender der TSG Königslutter. Die Entscheidung hat dem Verein übrigens gut getan. Mit 18 Abteilungen und über 2.000 Mitgliedern ist die TSG einer der größten und mitgliederstärksten Vereine des Landkreises. Und auch für die Zukunft sieht Gerke, der seit 30 Jahren die Geschicke des Vereins als Vorsitzender leitet, keine Probleme. Im Gegenteil: ´Die Nachfrage ist ungebrochen und das Ehrenamt wird bei uns noch groß geschrieben`.

Quelle: Helmstedter Sonntag vom 28.10.2012

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